Creepypasta Binge Listening – Netflix aufs Ohr

Ein Trend, der sich vor allem in den letzten Jahren immer mehr bemerkbar gemacht hat, ist das Binge Listening von Creepypastas.

Binge Watching kennt fast jeder – zehn, zwölf Stunden am Tag Netflix schauen und eine Serie nach der anderen durchsehen.

Hier möchte ich auf die Folgen dieses Verhaltens eingehen, die sowohl positiv, als auch negativ sind und hier mal ein paar Überlegungen anstellen.

Compilations

Compilations sind eine Möglichkeit, den Leuten, die vor allem viele Geschichten konsumieren, ein angenehmes Hörerlebnis zu schaffen, ohne, dass sie so viel Werbung wie beispielsweise in Playlists bekommen.

Wenn sich jemand 10 Geschichten als Playlist anhört, bekommt der Zuhörer im schlimmsten Fall 20 Mal Werbung (am Anfang und am Ende).

Wenn innerhalb der Geschichten selbst Werbung geschaltet wird, worauf die meisten Vertoner zum Glück zumindest bei kürzeren Werken verzichten, sogar noch mehr.

In einer Compilation reduziert sich dieser Wert in der Regel drastisch und so kann man dazu besser einschlafen, besser zocken oder Auto fahren.

Compilations bestehen hierbei zu 95% aus alten Geschichten, da es nicht möglich wäre, einfach zehn Geschichten nur für die Compilation zu produzieren – das wäre auch utopisch. Das ist natürlich etwas schade für Dauerzuhörer, die alles kennen, aber für diese sind Compilations auch nicht gedacht.

Neben der Convenience für viele Zuschauer belohnt auch YouTube diese Videos, da längere Videos einfach häufiger vorgeschlagen werden und auch bessere Werbung bekommen als kurze Videos, aber das funktioniert eben nur, da es viele Hörer gibt, die die Geschichten auf diese Weise konsumieren.

Ebenso ist es auch schön, dass vor allem alte Videos neuen Hörern präsentiert werden und sie nicht in irgendwelchen Playlists versauern.

Die einzelne Creepypasta verliert an Wert

Ein Nachteil an Compilations und dem Binge Listening allgemein ist, dass die einzelne Geschichte an Wert verliert.

Ein Zuschauer schrieb mir einmal, dass es ihm schwerfällt, die einzelnen Geschichten auseinanderzuhalten, wenn nicht genug Pause dazwischen ist und das wird wohl an einer reduzierten Konzentration liegen.

Ob dieser Trend gut oder schlecht ist, ist natürlich fraglich, aber als Autor ist es etwas schade, wenn die einzelne Creepypasta (speziell die kurze) in der Masse verschwimmt.

Durch die oben erwähnten Compilations freue ich mich aber, dass einige Geschichten überhaupt gehört werden und wenn die Geschichte als Einzelvideo demonetarisiert wurde, besteht eine gute Chance, dass sie in der Compilation zumindest Einnahmen bringt.

Der Bedarf wächst

Der Bedarf an neuen Geschichten und allgemeinen Geschichten wächst. Obwohl mehr produziert wird als vor einigen Jahren noch, gibt es viele Hörer, die immer mehr und mehr wollen – ganz besonders von ihrem Lieblingsvertoner –, aber manchmal doch bereit sind anderen Vertonern eine Chance zu geben.

So kommt auch wieder frischer Wind in die Szene und jemand, der gerade startet und viel produziert, wird auch belohnt werden.

Gleichzeitig haben Vertoner, die schon länger dabei sind, auch einen Vorteil, da sie schon viel hochgeladen haben und viele Zuschauer auch bereit sind, mal die alten Geschichten anzuhören.

Auch wenn der Hype um Creepypastas schon lange vorbei ist, kann sich die Szene so gut halten und auch weiter wachsen.

Wenn du selbst mal vertonen willst, habe ich hier ein paar Tipps für den Start aufgeschrieben.

Mehr lang mehr gut

Ein weiteres Phänomen, das mir aufgefallen ist, ist, dass kürzere Geschichten nach und nach abgewertet werden und ich denke, dass hat eben auch mit diesem Konsumverhalten zu tun, da sich kürzere Creepypastas einfach nicht gut zum Binge Listening eignen.

Frei nach dem Prinzip „mehr lang mehr gut“ scheinen besonders Reihen, buchlange Creepypastas und mehr zu florieren – das hat allerdings nicht nur mit dem Hörverhalten, sondern auch mit dem YouTube-Algorithmus zu tun.

Besonders Geschwafel wird dadurch honoriert und es gibt kein Bedürfnis mehr Geschichten zu kürzen, was aber bei gutem Schreibhandwerk einfach dazugehört.

Auch früher wollten Zuschauer lieber längere Geschichten, aber ich denke, dass der Wunsch mit der Zeit noch stärker geworden ist.

Kostenlos Kultur

Wer kauft heute noch eine DVD oder Blu-ray? Ich hab es ja an mir selbst bemerkt, früher hatte ich einige DVDs, aber mittlerweile kaufe ich nur selten Filme.

Durch Netflix, Disney Plus, Prime und Konsorten gibt es einfach für viele Menschen keinen Wunsch mehr Filme auf DVD oder Blu-ray zu besitzen.

Bei Hörbüchern ist das ähnlich – wenige Menschen kaufen noch Hörbücher auf CD. Einige nutzen Audible oder Spotify und sparen sich so auch viel Geld.

Bei Büchern gibt es auch Leihprogramme, aber diese setzen sich einfach nicht durch – vielleicht weil man mit Büchern tendenziell mehr Zeit verbringt als mit Filmen? Weil die Leihprogramme entweder nicht einfach genug sind (wie bei Büchereien) oder das Medium sich ändert (Ebook)?

Ich weiß es nicht, aber ich denke, dass es auch hier nach und nach eine stärkere Änderung geben wird.

Auf jeden Fall zeigt sich, dass viele Menschen nicht bereit sind, für Angebote Geld auszugeben, beziehungsweise auf Leihprogramme zurückgreifen.

Persönlich bin ich gespalten bei dem Thema, da ich zum einen natürlich gerne Geschichten kostenlos zur Verfügung stelle, aber trotzdem sicherstellen muss, dass ich mich davon finanzieren kann. Vor allem in Anbetracht des Risikos, dass viele Plattformen jederzeit die Vergütung ändern können.

Schlussworte

Die Entwicklung wird sich weiter fortsetzen – im Wunschtraum des Binge Listening Enthusiasten werden jeden Tag von seinem Lieblingsvertoner dreistündige Meisterwerke vorgelesen, die so noch nie auf YouTube waren. Das wird aber wohl so erstmal nicht machbar sein.

Besonders Leute, die selbst schreiben, haben hierdurch einen Nachteil. Aber das nehme ich gern in Kauf, weil ich auch weiterhin auf Weltenbruch nur eigene Geschichten veröffentlichen will, am Ende ist die Kunst wichtiger.

Wie sich der Markt insgesamt entwickeln wird, bleibt noch abzuwarten, aber ich glaube nicht, dass wir in Zukunft eine Abnahme der Leihprogrammnutzung feststellen werden.

Ob das gut oder schlecht ist, wird sich zeigen.


Wenn du besonders lange Creepypastas für lange Lese- oder Hörabende suchst, findest du hier einen Artikel, wo ich mich auf die Suche nach der längsten Creepypasta mache.

Außerdem habe ich hier eine lange Compilation von mir verlinkt und hier eine lange Compilation von MadameYavi.