Wie sieht die Zukunft von Creepypastas aus?

Creepypastas sind jetzt seit mehreren Jahren Teil von YouTube und haben viele verschiedene Phasen durchgemacht, sich immer wieder verändert, besonders in Deutschland – durch die kleinere Szene sind oft durch einzelne massive Änderungen im ganzen Genre möglich gewesen.

Niemand kann die Zukunft vorhersagen und es ist durchaus möglich, das morgen die gesamte Szene plötzlich aufhört, auch wenn das extrem unwahrscheinlich ist. Trotzdem möchte ich mal ein paar mögliche Veränderungen durchsprechen, die ich aus meiner Sicht Sinn machen. Dieser Post entsteht März 2020, also kann man in fünf Jahren nochmal zurückkommen und sehen, womit ich recht hatte und womit nicht.

Erste Prognose: Längere Creepypastas

Das ist ein Trend, der sich in den letzten Jahren schon abgezeichnet hat, während vor einigen Jahren 15 Minuten schon eine ordentliche Länge waren, gibt es immer mehr einstündige Geschichten. Ich glaube, die durchschnittliche Länge wird weiter steigen, aber es wird weniger Extreme geben. Immer mal wieder, aber insgesamt glaube ich, dass die Zahl der dreistündigen Geschichten eher zurückgehen wird und diese durch Compilations ersetzt werden.

Zweite Prognose: Diversifikation

Durch die immer strengeren Monetarisierungsrichtlinien auf YouTube, schätze ich, dass sich immer mehr Vertoner diversifizieren werden und neben ihrem Hauptkanal einen weiteren Kanal mehr oder weniger aktiv betreiben werden. Das hat auch mit einer Absicherung eines Haupt- beziehungsweise Nebeneinkommens zu tun. Titel und Thumbnails werden etwas entschärft oder zensiert werden, um eine Demonatisierung einzelner Videos zu verhindern.

Dritte Prognose: Viel mehr Bücher

Es werden mehr Bücher veröffentlicht werden, allerdings wird sich dort schnell eine große Spanne auftun – auf der einen Seite wird es Vertoner mit einem Buch oder zwei oder vielleicht sogar keinem Buch geben und auf der anderen Seite Vertoner, die fünf, sechs, sieben, zehn, zwanzig Bücher haben. Das ist etwas, was aber noch dauern wird und erst in ein paar Jahren wirklich sichtbar wird.

Vierte Prognose: Weitere Finanzierungsmodelle

Ich glaube, dass mehr Vertoner weitere Möglichkeiten in Betracht ziehen werden, um ihren Kanal zu monetarisieren – vielleicht mehr Kooperationen mit Verlagen oder Firmen, vielleicht häufiger Patreon oder Merch, was genau muss sich noch zeigen.

Fünfte Prognose: Kaum neue Vertoner, die groß werden

Ich glaube, dass sich das Hauptkontingent an Geschichten unter zehn Kanälen aufteilen wird und glaube nicht, dass da viel mehr Leute mitmischen werden. Viele Vertoner sind sich anfangs überhaupt nicht über den gigantischen Aufwand bewusst, den es braucht, um einen Creepypastakanal erfolgreich zu betreiben. Es wird immer wieder neue Vertoner geben, aber ich schätze, dass die meisten vorm zwanzigsten Video aufhören werden.

Sechste Prognose: Keine Veränderung bei der Gastsprecheranzahl, nicht mehr selbstgeschriebene Geschichten

Die Gastsprecheranzahl ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken und ich denke, dass diese sich auf einem ähnlichen Level halten wird. Selten wird es noch Projekte geben bei denen zehn oder mehr Gastsprecher dabei sind, sondern viele werden sich auf Geschichten mit weniger Gastsprechern konzentrieren. Das reduziert den Aufwand für die einzelnen Geschichten massiv. Auch selbstgeschriebene Creepypastas wird es seltener geben, da für diese auch der Aufwand sehr hoch ist und es für Vertoner natürlich einfacher ist, fertige oder noch nicht übersetzte Creepypastas zu nehmen. Es wird trotzdem einige Vertoner geben, die auch selbstgeschriebene Geschichten bringen werden.

Siebte Prognose: Monetarisierungsschwierigkeiten werden sich regeln

Ich denke, dass die starken Probleme bezüglich der Monetarisierung uns zwar noch einige Zeit verfolgen werden, aber es mit der Zeit wieder einfacher wird. Ich glaube nicht, dass sich ein zweites YouTube bilden wird, welches auch längere Zeit erfolgreich sein wird, sondern das YouTube sich nach und nach wieder etwas öffnen wird. Zumindest hoffe ich das!

Achte Prognose: Bizarro Fiction wird etwas stärker, aber trotzdem von kaum jemandem gemacht

Ich glaube, dass es mehr Bizarro Fiction Vertonungen geben wird, aber dass nur wenige Vertoner wirklich dazu etwas beitragen werden. Ich würde mir natürlich wünschen, dass sich mehr Vertoner auch an Bizarro Fiction wagen werden, aber kann es mir nicht vorstellen.

Schlussworte

Das waren meine acht Prognosen für Creepypastas. Das Wichtigste ist: Ich glaube, auch in fünf Jahren wird es Creepypastas geben und bin gespannt auf die Veränderungen in der Szene, auch wenn ich glaube, dass für die Zuschauer sich nicht so viel verändern wird und das Angebot ähnlich zu 2019 bleibt.