Eine kurze Geschichte der Creepypastas

Auch wenn ich auf der Startseite grob auf die Geschichte der Creepypastas eingegangen bin, wollte ich hier nochmal konkreter werden und diverse Details eingehen – was hat sich geändert und wie ist das passiert, vor allem in der deutschen Szene.

Der Begriff Creepypasta wurde wohl irgendwann 2010 oder 2009 festgelegt. Es gab auch schon vorher gruselige Geschichten, die im Internet herumgeschickt wurden, aber erst dann wurde der Begriff der Creepypasta gebildet.

Die einhellige Meinung ist, dass sich aus dem Begriff Copypasta der Begriff Creepypasta gebildet hat. Copypasta waren hierbei einfach allgemeine Geschichten, die im Internet herumkopiert wurden – also von Copy und Paste. Das Copy wurde dann einfach mit Creepy ersetzt.

Während der Begriff Copypasta im englischen Raum zumindest etwas stärker vertreten ist, ist er im deutschsprachigen Raum eigentlich gänzlich unbekannt.

Was dann die erste Creepypasta war, lässt sich schwer sagen, besonders wenn man mit einer etwas offeneren Defintion herangeht; allerdings sind so Big Brain Takes, dass man Creepypasta schon von Lovecraft kennt, grober Schwachsinn.

In der deutschen Szene liegen die Anfänge 2012. Am bekanntesten aus dieser Zeit hat sich German Creepypasta hervorgetan, der mit der Geschichte Squidwards Suicide mittlerweile über eine Million Aufrufe erreicht hat.

Auch andere YouTube-Größen haben sich 2013 zu dem Thema Creepypasta geäußert oder sogar Videos gemacht. Eine weitere Größe war MeGustaGamesLP (heute MGGLP), der extrem viele Geschichten herausgebracht hatte. Auch Cruzix konnte sich so hervortun.

Bis Anfang 2014 war die Szene besonders von klassischen Geschichten dominiert – selbstgeschriebene Creepypastas wurden als Fanpastas und allgemein von niedriger Qualität abgetan.

2014 hatte ich dann richtig angefangen und im Laufe der nächsten zwei Jahre, zusammen mit ähnlich gesinnten Vertonern, bewiesen, dass selbstgeschriebene Creepypastas nicht schlecht sein müssen und dass die Orientierung an den klassischen Geschichten auf Dauer der Qualität nicht gut tun wird.

Gerade zu dieser Zeit entstand ein Veröffentlichungsvakuum, Cruzix und MGGLP zogen sich immer weiter zurück und auch German Creepypasta hatte nicht mehr viel gemacht.

Manche Kanäle orientierten sich auch um und befassten sich mit urbanen Legenden und Mythen, so zum Beispiel CreepypastaPunch.

Andere kleinere Größen wie CreepypastaDeutsch zogen sich ebenfalls zurück und luden nur selten hoch, sodass die "Neue Generation" immer mehr Fuß fassen konnte.

Ende 2014 versuchte sich auch Helchastor (jetzt Devon Wolters) an Creepypastas und zusammen mit mir bildete sich dort eine Gruppe, die für hochqualitative neue Werke stand.

Es gab daran auch mehr als einmal Kritik, aber am Ende hörten die Kritiker auf oder wandten sich anderen Themen zu, wie beispielsweise Multi Creepypasta, der sich esoterischen Themen zuwandte.

Einer der wenigen heute noch aktiven Creepypastakanäle mit einem klassischeren Konzept ist World Creepypasta, der viele tausend Menschen mit seinen Compilations erreicht.

2017 stieß auch Halverson hinzu und bildete einen weiteren Teil der selbstschreibenden Vertoner, während ich mich 2017 und auch Devon 2018 mehr und mehr zurückzogen, um neue Kräfte zu sammeln.

Besonders zu erwähnen ist auch Madame Yavi, die mit ihrer SCP Reihe und einem Fokus auf selbst übersetzte Creepypastas seit Jahren gute Werke abliefert.

In der Zeit um 2017 stieß dann Kati Winter und auch Ver-Toni hinzu, die sich eher wieder klassischeren Konzepten und häufigen Uploads zuwandten und damit auch sehr viel Erfolg hatten.

Immer wenn es einen Rückzug einer alten dominierenden Gruppe gab, gab es ein Vakuum, dass mit neuen Ideen oder Konzepten gefüllt wurde.

2020 sind nur noch wenige aktiv als Vertoner tätig, viele haben aufgehört, viele sich anderen Themen zugewandt.

Allerdings bildet sich eine neue Gruppe heraus, die sich auch wieder mehr auf klassische Themen konzentriert – zum ersten Mal seit Jahren scheint eine neue Gruppe an Vertonern zu entstehen, die allerdings mit einem anderen Qualitätsanspruch als früher an die Sache rangehen.

Es wird sich zeigen müssen, wer davon in ein paar Jahren immer noch vertont, denn viele hören schon vor der zehnten Geschichte auf, da der Arbeitsaufwand im Vergleich zu anderen Formaten auf YouTube extrem hoch ist.

In welche Richtung Creepypastas noch gehen werden, kann niemand mit Sicherheit sagen, aber ich hoffe auf mehr Bücher, mehr neuartige Ideen und mehr Leute, die alles selbst schreiben und ich hoffe auch, dass sich die Creepypastaautoren immer mehr mit Horrorautoren vernetzen und so zusammen die Möglichkeiten des Internets nutzen werden.

Besonders in Deutschland könnte sich durch Creepypastas eine Rennaissance der Horrorliteratur einstellen. Höchstwahrscheinlich wird allerdings einfach die Länge der Geschichten steigen und die Mikrofonqualität auf dem guten Level bleiben, auf dem sie gerade ist.

Die Art des Hörens hat sich mit der Zeit auch verändert, immer mehr Binge-Hearing verbreitet sich, viele nutzen Creepypastas als Einschlafhilfe, was durch die stärkere Nutzung von Compilations auch noch weiter befeuert wird.

2018 und 2019 waren auch die ersten Jahre in denen Vertonungen keine Mangelerscheinung darstellten, sondern zusammen mit den alten Videos der Vertoner und immer neuen Material gibt es eigentlich mehr als genug für jeden, auch wenn es schwieriger wird, die einzelnen Vertoner, besonders die kleineren, zu finden.

Ich habe noch ein paar Prognosen für die Zukunft von Creepypastas gemacht, die ihr hier lesen könnt.