Wie ein zu enger Creepypastabegriff dem Genre schadet

Als ich damals mit dem Vertonen von Creepypastas angefangen habe, gab es immer wieder die Kritik von Zuschauern, dass diese oder jene Geschichte gar nicht so gruselig wäre oder Debatten darüber, auch bei Vertonern, was überhaupt eine Creepypasta ist.

Meiner Meinung nach gab es kein fruchtbares Ergebnis dieser Definitionsversuche.

Das einzige, was aber klar ist, zumindest für mich, ist, dass ein zu enger Genrebegriff, das Genre einschränkt und dadurch dem Genre schadet.

Vor allem am Anfang bestanden Creepypastas zum Großteil aus Geschichten, die entweder zu irgendeiner Figur gehörten (Rake, Jeff the Killer, Jake the Killer, Jane the Killer, etc.) oder ein bestimmtes Thema behandelten (Candle Cove, Normal Porn for Normal People, etc.) oder irgendwie normal in unserer Welt spielten und klassisch gruselig waren.

Der Punkt ist gar nicht, dass diese Geschichten immer schlecht waren (sie waren nur sehr häufig schlecht), sondern dass manche Vertoner oder Zuschauer auch nichts anderes zulassen wollten.

Nur das Problem an dieser Art von kreativer Arbeit ist, dass sich alles früher oder später wiederholt und von diesen Wiederholungen gab es viele, sehr viele.

Die Autoren im Wikia haben häufig nur Derivate von alten Creepypastas verfasst – vielleicht um den Genre treu zu bleiben, vielleicht aus anderen Gründen.

Allerdings werden die meisten Menschen ab einem gewissen Alter Jeff the Killer nicht mehr interessant finden und man braucht auch wirklich nicht die zehnte Origingeschichte zu einem dürftigen Charakter.


Was ist gruselig?

Ich habe schon in meinem Artikel Horror hat Probleme darüber geschrieben, dass sich Horror extrem schnell abnutzt und vor allem das Bestehen auf gruseligen Geschichten, schadet dem Genre, da jeder etwas anderes gruselig findet und die meisten am Ende auf die gemeinsamen Nenner zurückkehren, da sie sich nicht trauen, an den Rändern des Genres zu arbeiten.

Hierdurch ergaben sich irgendwelche Genremissgeburten wie zum Beispiel Feelpasta, die wie eine Warnung daherkamen: Pass auf, ist nicht so wie alles andere. Eine Creepypasta, die ein emotionales Thema behandelt. Was für ein Meilenstein.

Es gab noch andere Ideen für irgendwelche Untergenres, die sich aber meistens (zum Glück) verlaufen haben.

Das Creepypasta-Genre sollte sich nicht an einem bestimmten Gefühl festmachen, was man bei der ersten oder zweiten Creepypasta als Hörer hatte, denn man wird dieses Gefühl höchstwahrscheinlich nie wieder bekommen.


Was nun?

Einfach mal experimentieren. Mehr schreiben, was es noch nicht gab oder zumindest nicht so oft. Nur so werden Hörer und Leser langfristig an Creepypastas interessiert bleiben. Falls du mehr über die Geschichte der Creepypastas erfahren willst, kannst du hier mehr lesen. Wenn du selbst einmal eine Creepypasta schreiben willst, findest du hier ein paar Tipps.